Drohnenflüge in Kontrollzonen: Was sich am 6. August 2026 ändert
Stand: 4. August 2026 · Lesezeit: ca. 10 Minuten · Autor: René Wagner, M.Eng., Dronesolut Aviation GmbH
Kurzantwort
Ab dem 6. August 2026 teilt die DFS die Kontrollzonen der von ihr betreuten Flughäfen für den UAS-Betrieb in vier Zonen ein. In Zone 1, dem Bereich unmittelbar über und um den Flughafen, ist unabhängig von der Flughöhe immer eine individuelle Flugverkehrskontrollfreigabe erforderlich. In den Zonen 2 bis 4 gilt die Freigabe automatisch, sofern sämtliche Bedingungen der neuen Allgemeinverfügung NfL 2026-1-3960 eingehalten werden. Die zulässigen Höhen steigen dabei nach außen hin an: 25 Meter in Zone 2, 45 Meter in Zone 3 und bis zu 100 Meter in Zone 4. Neu ist außerdem eine Regelung für hindernisnahe Flüge, die Inspektionen an hohen Bauwerken erheblich erleichtert. Die bisherige Allgemeinverfügung NfL 2023-1-2705 wird aufgehoben.
Auf einen Blick
| Gültig ab | 6. August 2026 |
| Rechtsgrundlage | § 21 Abs. 1 Nr. 5 LuftVO; Allgemeinverfügung NfL 2026-1-3960 |
| Ersetzt | NfL 2023-1-2705 |
| Betroffen | Kontrollzonen von 15 Flughäfen mit DFS-Flugplatzkontrolle; parallel dazu 9 Flugplätze der DFS Aviation Services nach NfL 2026-1-3959 |
| Zone 1 | Immer individuelle Freigabe, Vorlaufzeit in der Regel 14 Tage |
| Zonen 2 bis 4 | Allgemeine Freigabe bei vollständiger Einhaltung aller Auflagen |
| Neu möglich | VLOS, BVLOS und Schwarmflug, jeweils unter Bedingungen |
| Antragstellung | ais.dfs.de |
| Zonendaten | AIP-Ergänzung (SUP) und dipul.de, Geländehöhe über maptool-dipul.dfs.de |
Warum diese Änderung relevant ist
Kontrollzonen sind für professionelle Drohnenbetreiber seit Jahren ein Planungsproblem. Sie liegen dort, wo auch die Aufträge sind: über Industrieanlagen, Gewerbegebieten, Bahnstrecken und Wohnbebauung am Stadtrand. Bisher galt in der gesamten Kontrollzone eine einheitliche Regelung ohne räumliche Abstufung; wer darüber hinaus wollte, brauchte einen Einzelantrag mit entsprechender Vorlaufzeit.
Die Neuregelung ändert daran zwei Dinge grundlegend. Erstens differenziert sie räumlich: Wer weit genug vom Flughafen entfernt startet, darf deutlich höher fliegen als bisher. Zweitens führt sie eine Regelung für hindernisnahe Flüge ein, die für Inspektionsbetriebe der eigentliche Durchbruch sein dürfte.
Gleichzeitig steigt die Anforderung an die Vorbereitung. Die maximale Flughöhe ist nicht länger eine feste Zahl, sondern das Ergebnis einer Rechnung aus Zone, Flugplatzhöhe und Geländehöhe am Aufstiegsort. Wer das im Kopf überschlägt, liegt schnell daneben.
Welche Flughäfen betroffen sind
Die neuen Verfahren gelten in den Kontrollzonen dieser 15 Flughäfen mit DFS-Flugplatzkontrolle:
Berlin Brandenburg · Bremen · Dresden · Düsseldorf · Erfurt-Weimar · Frankfurt Main · Hamburg · Hannover · Köln/Bonn · Leipzig/Halle · München · Münster/Osnabrück · Nürnberg · Saarbrücken · Stuttgart
Wichtig, und in vielen Zusammenfassungen unterschlagen: Nicht alle deutschen Kontrollzonen werden von der DFS selbst betreut. Für die neun Flugplätze mit Flugplatzkontrolle durch die DFS Aviation Services GmbH, nämlich Braunschweig, Dortmund, Friedrichshafen, Karlsruhe/Baden-Baden, Lahr, Memmingen, Mönchengladbach, Niederrhein und Paderborn, gilt eine eigene, parallele Allgemeinverfügung: NfL 2026-1-3959, ebenfalls mit Wirkung zum 6. August 2026. Sie hebt die bisherige DAS-Allgemeinverfügung NfL 2022-1-2670 auf. Inhaltlich sind Zoneneinteilung, Höhen, hindernisnaher Flug und die Bedingungen in beiden Verfügungen weitgehend deckungsgleich. Weitere Kontrollzonen unterliegen den Regelungen anderer Flugsicherungsorganisationen.
Hinweis zur Quellenlage bei der DAS: Das Informationsschreiben der DFS Aviation Services vom 15. Juli 2026 nennt an einer Stelle, dass NfL 2026-1-3959 „ersetzt wird durch NfL 2026-1-3981", verweist an anderer Stelle für die Auflagen auf NfL 2026-1-3981 und schreibt abschließend, die vollständigen Bedingungen seien „in NfL 2026-1-3959 und dem NfL 2026-1-3981" veröffentlicht. Welches der beiden NfL für welchen Teil maßgeblich ist, geht aus dem Informationsschreiben nicht eindeutig hervor. Betreiber an DAS-Flugplätzen sollten beide NfL im Original prüfen.
Wer seinen Flughafen in der 15er-Liste nicht findet, darf daraus also nicht schließen, dass sich für ihn nichts ändert. Der erste Schritt ist immer: Wer erbringt an diesem Flugplatz die Flugplatzkontrolle?
Die vier Zonen
Die Kontrollzone wird für UAS-Zwecke in einen Innen- und einen Außenbereich geteilt. Der Innenbereich ist Zone 1, der Außenbereich umfasst die Zonen 2 bis 4.
| Zone | Räumliche Abgrenzung |
|---|---|
| Zone 1 | Der Bereich über dem Flughafen sowie innerhalb eines seitlichen Abstands von 1 km ab dessen Begrenzung; zusätzlich der Bereich bis 5 km hinter Anfang und Ende der Start- und Landebahnen, seitlich je 1 km links und rechts der Bahnmittellinie. Deckungsgleich mit dem geografischen Gebiet nach § 21h Abs. 3 Nr. 2 LuftVO. |
| Zone 2 | Innerhalb eines 4-km-Radius um den Flugplatzbezugspunkt, soweit außerhalb von Zone 1 |
| Zone 3 | Innerhalb eines 6-km-Radius um den Flugplatzbezugspunkt, soweit außerhalb der Zonen 1 und 2 |
| Zone 4 | Der gesamte übrige Bereich der Kontrollzone |
Die konkreten Zonengrenzen und Flugplatzhöhen werden als Ergänzung (SUP) im Luftfahrthandbuch Deutschland sowie auf der Digitalen Plattform Unbemannte Luftfahrt (dipul.de) veröffentlicht. Für die Geländehöhe am Aufstiegsort empfiehlt die DFS ausdrücklich das dipul-Maptool.
Zone 1: immer Einzelantrag
Im CTR-Innenbereich ändert sich am Grundsatz nichts: Dort ist unabhängig von der geplanten Flughöhe stets eine individuelle Flugverkehrskontrollfreigabe erforderlich. Der Antrag läuft online über ais.dfs.de. Die Rückmeldung kommt per E-Mail und enthält, ob die Freigabe erteilt wird beziehungsweise wie sie einzuholen ist, sowie die geltenden Auflagen.
Kalkulieren Sie 14 Tage Vorlaufzeit ein. Das ist der von der DFS genannte Regelwert für die Bearbeitung; die DFS Aviation Services spricht ausdrücklich von 14 Kalendertagen. Das ist der Punkt, an dem die meisten Projekte in Zeitnot geraten. Für Betreiber mit wiederkehrenden Einsätzen im Innenbereich heißt das: Fluggebiete vorausschauend beantragen, nicht auftragsbezogen.
Zonen 2 bis 4: allgemeine Freigabe mit Rechenaufgabe
In den Zonen 2 bis 4 gilt die Freigabe automatisch, aber nur, wenn sämtliche Auflagen und Bedingungen der Allgemeinverfügung eingehalten werden. Fällt eine einzige Bedingung weg, entfällt die allgemeine Freigabe insgesamt und es bleibt nur der Einzelantrag.
Die grundsätzlich freigegebenen Höhen:
| Zone | Maximale Flughöhe |
|---|---|
| Zone 2 | 25 m über Flugplatzhöhe oder über Grund, der kleinere Wert gilt |
| Zone 3 | 45 m über Flugplatzhöhe oder über Grund, der kleinere Wert gilt |
| Zone 4 | 100 m über Flugplatzhöhe oder 50 m über Grund, der größere Wert gilt |
Liegt der Aufstiegsort in Zone 4 unterhalb der Flugplatzhöhe, sind 100 Meter über Grund zulässig.
Warum das eine Rechnung und keine Tabelle ist
Der Fernpilot muss künftig drei Größen zusammenbringen: die Zone, in der das Fluggebiet liegt, die Geländehöhe am Aufstiegsort und die Flugplatzhöhe. Erst daraus ergibt sich die zulässige Höhe über Grund.
Zwei Beispiele bei einer Flugplatzhöhe von 48 m MSL, Aufstieg in Zone 4:
Aufstiegsort auf 55 m MSL. Der Ort liegt 7 Meter über der Flugplatzhöhe. 100 − 7 = 93 Meter. Verglichen mit den 50 Metern über Grund gilt der größere Wert: 93 Meter über Grund.
Aufstiegsort auf 105 m MSL. Der Ort liegt 57 Meter über der Flugplatzhöhe. 100 − 57 = 43 Meter. Das ist weniger als 50, also gelten die 50 Meter über Grund.
Der Bezugspunkt ist also nicht allein der Boden, sondern auch die Flugplatzhöhe. Wer auf einer Anhöhe startet, erreicht mit derselben Höhe über Grund eine größere absolute Höhe und bekommt deshalb weniger Spielraum. Die 50 Meter über Grund wirken dabei als Untergrenze, die auch bei sehr hoch gelegenen Aufstiegsorten erhalten bleibt. Eine Begründung für diese Systematik nennen die Informationsschreiben nicht; maßgeblich ist der Wortlaut der Verfügung.
In der Praxis heißt das: Diese Rechnung gehört in die Flugvorbereitung, dokumentiert und nachvollziehbar. Ein Fernpilot, der bei der Vor-Ort-Kontrolle nicht erklären kann, wie er auf seine Höhengrenze gekommen ist, hat ein Problem, unabhängig davon, ob er sie tatsächlich eingehalten hat.
Rechner: maximal zulässige Flughöhe in der Kontrollzone
93Meter über Grund
Der Aufstiegsort liegt 7 m über der Flugplatzhöhe: 100 − 7 = 93 m. Verglichen mit 50 m über Grund gilt der größere Wert: 93 m.
Orientierungshilfe ohne Gewähr. Verbindlich ist allein NfL 2026-1-3960. Die Geländehöhe am Aufstiegsort sollte über die Dronesolut Suite ermittelt werden. Stand: 4. August 2026.
Der hindernisnahe Flug: die eigentliche Neuerung
Für Inspektionsbetriebe ist dies der wichtigste Absatz der gesamten Regelung. Im CTR-Außenbereich besteht eine allgemeine Freigabe auch dann, wenn der Flug hindernisnah durchgeführt wird, und zwar unabhängig von der Höhe des Hindernisses.
Als hindernisnah gilt ein Flug, bei dem sich das UAS zu keinem Zeitpunkt weiter als 30 Meter seitlich und 15 Meter oberhalb eines Hindernisses befindet.
Beispiel: Ein 150 Meter hohes Windrad in Zone 4. Unter Einhaltung des Korridors sind Flüge bis 165 Meter über Grund von der allgemeinen Freigabe gedeckt, also weit oberhalb dessen, was ohne diese Regelung möglich wäre.
Damit werden Inspektionen an Windenergieanlagen, Schornsteinen, Masten, Brücken und Hochhäusern in Kontrollzonen ohne Einzelantrag möglich. Das entlastet genau die Einsätze, die bisher am zuverlässigsten in der 14-Tage-Warteschleife landeten.
Der Preis dafür ist Präzision. „Zu keinem Zeitpunkt" ist wörtlich zu nehmen und schließt Anflug, Umsetzen zwischen Bauteilen und Rückflug ein. Wer den Korridor beim Positionswechsel verlässt, verliert die Freigabe für diesen Moment. Das ist ein Verfahrensthema, kein Höhenthema, und es gehört als solches ins Betriebshandbuch.
Die Bedingungen, die man nicht überlesen darf
Die allgemeine Freigabe steht unter Auflagen, die in der Praxis mehr Aufmerksamkeit verdienen als die Höhentabelle. Der Fernpilot muss unter anderem:
- vor Flugbeginn prüfen und sicherstellen, dass alle sonstigen Voraussetzungen erfüllt sind, Betriebsgenehmigung, keine Flugbeschränkungs- oder Verbotsgebiete, geografische Gebiete nach § 21h LuftVO, kein autonomer Betrieb. Die FVK-Freigabe ersetzt nichts davon.
- damit rechnen, keine Verkehrsinformation über anderen bemannten oder unbemannten Verkehr von der Flugplatzkontrollstelle zu erhalten
- jederzeit mit anderem Verkehr rechnen und ihn selbst erkennen
- Kollisionen vermeiden und bemannten Luftfahrzeugen ausweichen, die Verantwortung liegt vollständig beim Fernpiloten
- eine Bodensicht von mindestens 800 Metern sicherstellen
- akzeptieren, dass kein Anspruch auf Erteilung einer individuellen Freigabe besteht. Die Flugplatzkontrollstelle kann Freigaben an weitere Auflagen knüpfen, verweigern oder zurückziehen, insbesondere bei hohem Verkehrsaufkommen.
Neu ist außerdem, dass Flüge innerhalb der Sichtweite (VLOS), außerhalb der Sichtweite (BVLOS) sowie als Schwarmflug grundsätzlich ermöglicht werden. Grundsätzlich heißt: unter den genannten Bedingungen und unbeschadet aller übrigen Anforderungen, insbesondere einer erforderlichen Betriebsgenehmigung. Diese Aussage steht ausdrücklich im DFS-Informationsschreiben; das Informationsschreiben der DFS Aviation Services enthält sie nicht. Für DAS-Flugplätze ist dieser Punkt daher im NfL im Original zu prüfen.
Haftungsfreistellung. Das Informationsschreiben der DFS Aviation Services enthält einen Punkt, der im DFS-Schreiben nicht auftaucht: Bei UAS-Flügen nach diesen Bekanntmachungen stellt der UAS-Betreiber das Bundesministerium für Verkehr und die örtlich zuständige Flugsicherungsorganisation von der Haftung für Schäden und Folgeschäden frei, die im Zusammenhang mit dem Betrieb entstehen. Wer an DAS-Flugplätzen fliegt, sollte das mit seinem Versicherer abgleichen, bevor er sich auf die allgemeine Freigabe stützt. Ob eine gleichlautende Klausel auch in NfL 2026-1-3960 steht, lässt sich aus dem DFS-Informationsschreiben nicht ableiten und ist im Original zu prüfen.
Die 800-Meter-Bodensicht ist ein häufig unterschätztes Kriterium. Sie ist keine Empfehlung, sondern Voraussetzung der Freigabe. Fällt sie im Einsatz darunter, entfällt die Freigabe, der Flug ist zu beenden. Das gehört als Abbruchkriterium in die Wetterprüfung der Vorflugcheckliste, nicht in eine Fußnote.
Was Betreiber jetzt konkret tun sollten
Die Regelung ist überwiegend eine Erleichterung. Sie erhöht aber die Anforderungen an Vorbereitung und Nachweisführung, und genau dort entstehen bei behördlichen Prüfungen die Beanstandungen.
Sofort:
- Zuständigkeit klären. Wer erbringt an Ihren Fluggebieten die Flugplatzkontrolle, DFS, DFS Aviation Services oder eine andere Organisation? Davon hängt ab, welche Verfügung für Sie gilt.
- Bestehende Einzelfreigaben prüfen. Welche Ihrer bisherigen Anträge werden durch die allgemeine Freigabe entbehrlich? Und welche laufenden Freigaben sind von der Aufhebung der alten Verfügung betroffen?
- Fluggebiete neu bewerten. Für jedes Fluggebiet in einer Kontrollzone: Zone bestimmen, Flugplatzhöhe und Geländehöhe erfassen, zulässige Höhe berechnen und dokumentieren.
Innerhalb der nächsten Wochen:
- Betriebshandbuch anpassen. Verweise auf NfL 2023-1-2705 laufen ins Leere. Wo Ihr OM Verfahren für Kontrollzonen beschreibt, müssen diese die Zonenlogik, die Höhenberechnung und gegebenenfalls den hindernisnahen Flug abbilden.
- Vorflugcheckliste ergänzen. Zone, berechnete Höhengrenze und die 800-Meter-Bodensicht gehören als prüfbare Punkte hinein, mit dokumentiertem Ergebnis, nicht nur als Erinnerung.
- Fernpiloten einweisen und dokumentieren. Die Einweisung in eine geänderte Rechtslage ist nachweispflichtig. Ein Aktenvermerk mit Datum, Inhalt und Teilnehmern reicht, er muss aber existieren.
- Verfahren für hindernisnahe Flüge schreiben, falls Sie diese Erleichterung nutzen wollen. Ohne beschriebenes Verfahren zur Einhaltung des 30/15-Korridors ist die Berufung darauf im Zweifel nicht belastbar.
Punkt 4 bis 6 sind erfahrungsgemäß die, die liegen bleiben, und die in Audits als Beanstandung zurückkommen. Ein Betriebshandbuch, das auf eine aufgehobene Allgemeinverfügung verweist, ist ein leicht auffindbarer Befund.
Häufige Fragen
Gilt die neue Regelung für alle deutschen Kontrollzonen?
Nein. Die hier beschriebene Allgemeinverfügung NfL 2026-1-3960 betrifft die Kontrollzonen von 15 Flughäfen mit DFS-Flugplatzkontrolle. Für die neun Flugplätze der DFS Aviation Services GmbH gilt parallel NfL 2026-1-3959, ebenfalls ab 6. August 2026 und inhaltlich weitgehend gleich. An Flugplätzen anderer Flugsicherungsorganisationen gelten wiederum eigene Regelungen.
Brauche ich trotz allgemeiner FVK-Freigabe eine Betriebsgenehmigung?
Ja, sofern Ihr Betrieb eine erfordert. Die Flugverkehrskontrollfreigabe betrifft ausschließlich die Nutzung des kontrollierten Luftraums. Alle übrigen Anforderungen, Betriebskategorie, Betriebsgenehmigung, geografische Gebiete nach § 21h LuftVO, Zustimmungen Dritter, bleiben davon unberührt und sind vor jedem Flug eigenständig zu prüfen.
Wie hoch darf ich in Zone 4 konkret fliegen?
Das hängt vom Verhältnis zwischen Flugplatzhöhe und Geländehöhe am Aufstiegsort ab. Als Formel: 100 Meter minus der Differenz, um die der Aufstiegsort über der Flugplatzhöhe liegt, mindestens jedoch 50 Meter über Grund. Liegt der Aufstiegsort unterhalb der Flugplatzhöhe, gelten 100 Meter über Grund.
Was gilt beim hindernisnahen Flug?
Bleibt das UAS zu jedem Zeitpunkt innerhalb von 30 Metern seitlich und 15 Metern oberhalb eines Hindernisses, besteht im CTR-Außenbereich eine allgemeine Freigabe, unabhängig von der Höhe des Hindernisses. Bei einem 150 Meter hohen Bauwerk sind das 165 Meter über Grund.
Sind BVLOS-Flüge in Kontrollzonen jetzt erlaubt?
Das DFS-Informationsschreiben nennt VLOS, BVLOS und Schwarmflug ausdrücklich als grundsätzlich ermöglicht. Das ersetzt aber keine der übrigen Voraussetzungen: Ein BVLOS-Betrieb erfordert weiterhin eine entsprechende Betriebsgenehmigung mit den dafür nachgewiesenen Mitigationen. Für die Flugplätze der DFS Aviation Services enthält das dortige Informationsschreiben keine entsprechende Aussage; dort ist das NfL im Original zu prüfen.
Wie lange dauert eine individuelle Freigabe?
Die DFS nennt eine Vorlaufzeit von in der Regel 14 Tagen für die Bearbeitung. Ein Anspruch auf Erteilung besteht nicht.
Wo finde ich die Zonengrenzen für meinen Flughafen?
Als Ergänzung (SUP) im Luftfahrthandbuch Deutschland sowie auf dipul.de. Für die Geländehöhe am Aufstiegsort empfiehlt die DFS das dipul-Maptool.
Muss ich mein Betriebshandbuch anpassen?
Wenn es Verfahren für den Betrieb in Kontrollzonen enthält oder auf die aufgehobene NfL 2023-1-2705 verweist: ja. Eine Änderung des OM ist der zuständigen Behörde nach den Vorgaben Ihrer Betriebsgenehmigung anzuzeigen beziehungsweise genehmigen zu lassen.
Fazit
Die Neuregelung ist ein echter Fortschritt, besonders für Inspektionsbetriebe, denen der hindernisnahe Flug lange verwehrte Einsätze öffnet. Sie verlagert aber Verantwortung: von der Behörde, die vorher jeden Einzelfall prüfte, zum Betreiber, der die zulässige Höhe künftig selbst korrekt ermittelt und die Einhaltung sämtlicher Bedingungen sicherstellt.
Wer Fluggebiete, Höhengrenzen und Prüfpunkte systematisch verwaltet, gewinnt durch diese Regelung Zeit und Auftragsspielraum. Wer sie im Kopf mitführt, tauscht Bürokratie gegen Haftungsrisiko.
Verbindlich ist in jedem Fall allein der Wortlaut der Allgemeinverfügung NfL 2026-1-3960. Dieser Beitrag fasst zusammen und ordnet ein, er ersetzt die Lektüre des Originals nicht.
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Über den Autor
René Wagner, M.Eng., ist Gründer und Geschäftsführer der Dronesolut Aviation GmbH und seit über fünf Jahren als UAS-Sachverständiger für Betriebsgenehmigungen, SORA-Risikobewertungen und Betriebshandbücher tätig. Er ist Mitglied im Branchenverband UAV DACH.
Stand: 4. August 2026. Dieser Beitrag gibt die Rechtslage zum genannten Zeitpunkt wieder und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Verbindlich sind allein die veröffentlichten Allgemeinverfügungen.
Quellen
- DFS Deutsche Flugsicherung GmbH: Information der DFS über neue Verfahren für UAS-Flüge in Kontrollzonen, Langen, 14. Juli 2026
- DFS Aviation Services GmbH: Information der DFS Aviation Services über neue Verfahren für UAS-Flüge in Kontrollzonen, 15. Juli 2026
- Allgemeinverfügung NfL 2026-1-3960 (DFS), hebt NfL 2023-1-2705 auf
- Allgemeinverfügung NfL 2026-1-3959 (DFS Aviation Services), hebt NfL 2022-1-2670 auf; im DAS-Informationsschreiben wird zusätzlich NfL 2026-1-3981 genannt
- § 21 Abs. 1 Nr. 5 und § 21h LuftVO
- Luftfahrthandbuch Deutschland (AIP), Ergänzung SUP
- Digitale Plattform Unbemannte Luftfahrt (dipul.de)
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